This Mountain is My Hero

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Vom Cerro Torre habe ich vor Jahren das erste Mal gehört und seitdem war er für mich der Inbegriff einer sich dem Menschen entziehenden Wildnis. Am Rande des patagonischen Inlandeises gelegen, gleicht er mehr einem steingewordenem Sturm, als dass er Ähnlichkeit mit dem hat, was ich bisher unter einem Berg verstanden habe. Beinahe dreitausend Meter von Gletschern glattgeschliffener Granit bilden eine Nadel, deren Spitze von teilweise überhängenden Eisformationen überzogen ist. Dazu bläst ein permanenter Wind in Orkanstärke.  Was will man mehr?

Vielleicht eine legendäre Besteigungsgeschichte. Diese beginnt 1959 mit der Erstbesteigung durch Maestri und Egger, wobei Letzterer zusammen mit der Kamera mit den Gipfelfotos ums Leben kommt, so dass nur Maestris Wort genügen muss. Der verstrickt sich aber zunehmend in Widersprüche und als auch noch seine Ausrüstung im unteren Teil des Berges gefunden wird, glaubt ihm niemand mehr. Frustriert steht er elf Jahr später wieder vorm offiziell noch immer unbestiegenen Cerro Torre – zusammen mit einem Kompressor, mit dessen Hilfe er sich Haken um Haken den Berg empor bohrt. Als Beweis seines Gipfelerfolgs laesst er den Kompressor unter dem Gipfel haengen, wo er heute noch zu finden ist. Bergsteigerisch ein Armutszeugniss, welches seinen Ruf vollständig ruiniert.
Die offizielle erste Besteigung gelang vier Jahre später, 1974, durch Ferrari und die erste Wiederholung der angeblichen Maestri/Egger-Route gelang erst 2005 ohne Spuren einer vorherigen Besteigung zu finden.

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Dieser Berg ist ein Traum, mein Traum. Und ich hatte die seltene Gelegenheit ihn zu sehen – beinahe komplett. Allein dafür hat sich die Fahrt hierher gelohnt.

Etwas überaschend fand ich es, dass man vom Hotel nur zwei Stunden durch leichtes Gelände laufen muss um ihn zu sehen – dass entsprach nicht ganz dem Bild was sich im Lauf der Jahre in meinem Kopf gebildet hat. Was dann allerdings zu sehen war, sich das auszumalen war mein Kopf nicht in der Lage.

Wie ein kitschig gemalter Hintergrund aus einem billigen Fantasyfilm präsentiert sich einem das Tal. Die Gletscherströme, perfekt arrangiert, umrahmen einige Berge, deren Anblick anderswo lange Zustiege gerechtfertigt haette. Aber nicht hier. Hier verblasst alles neben diesem unglaublichen Stück Felsen mit seinen beiden kleineren Nachbarn. Neben dem Anblick der vereisten Granitwände, der schieren Grösse, die für mich so unfassbar war, dass ich den Weg noch zweimal auf mich genommen habe, allerdings ohne noch einmal das Glück zu haben einen wolkenfreien Moment zu erwischen.

Wer einen fotografischen Nachschlag bei ganz perfekten Wetter möchte, der bekommt ihn hier und hier.

~ von Mario - 28. März 2009.

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