Zwei Comics

Zwei Bücher, die nur wenig gemeinsam haben. Beide sind Comics, beide habe ich in der letzten Woche gelesen.

Guy Delisle – Pjöngjang

Nordkorea zieht mich magisch an. Immer wieder bin ich von der Andersartigkeit der Gesellschaft dort fasziniert, von der Absolutheit der Macht. 1984 im echten Leben – irgendwie.

Und genau dieses Bild benutzt Guy Delisle auch in seinem Reisebericht über seinen Aufenthalt in Pjöngjang, wo er die Produktion französischer Trickfilme überwacht. Er hat Orwells Buch im Gepäck, was nicht so schwierig ist, wie man erwarten sollte, da es einfach niemand kennt. Und vieles erinnert dann auch sehr an die Gehirnwäsche in Orwells Ozeanien. Am deutlichsten wird das an einer Stelle, als der Protagonist das Fehlen von Behinderten auf den Strassen bemerkt und erklärt bekommt, dass alle Norkoreaner stark und intelligent auf die Welt kommen.

„Und seinem Tonfall nach scheint er das wirklich zu glauben“

Menschen verschwinden und niemand wundert sich. Leere Autobahnen, mysteriöse Aufpasser in den Büros, Propagandamärsche rund um die Uhr. Hinzukommt eine Kulisse der Bedrohung durch den weitesgehend abstrakten Feind USA.

All das schafft eine kühle, bedrohliche Kulisse, die ich aus Comics so noch nicht kannte. Nichtsdestotrotz schafft Guy Delisle es ein Gefühl von Leben in die Kulissen zu bringen. Ich weiss noch immer nicht, wie es sich anfühlt in Norkorea zu leben, aber das ist wahrscheinlich auch zu viel verlangt. Für das, was es leisten kann ein schönes Buch.

Alan Moore – Watchman

Es gibt ja inzwischen einige Versuche einer realistischen Darstellung der psychischen Situation von Superhelden (Spiderman, Hulk, Heroes), die in meinem Empfinden alle an irgendeiner Stelle scheitern um zum üblichen Heldenepos zu werden. Dabei hat Alan Moore vor zwanzig Jahren vorgemacht, wie es gehen kann.

Erzählt wird die Geschichte zweier Generationen maskierter Helden, von denen nur ein einziger echte Superkräfte besitzt. Moore widmet sich dabei endlich den Fragen, die man sich immer stellt, wenn man anderen Helden zusieht. In Watchman ziehen einige für die gute Sache in den Vietnamkrieg, andere resignieren oder vermarkten sich. Es gibt Vergewaltigungen, Haß und Arroganz innerhalb der Heldenclique. Hier gibt es keinen Comissionar Gordon, sondern die Polizei erstreikt ein Verbot maskierter Gesetzeshüter. Einige finden zurück in ein normales Leben, andere bleiben der Sache treu und verlieren dabei jegliches Maß.

Die Geschichte ist zu vielschichtig, als das ich sie hier adequat wieder geben könnte. Manchmal ist es ein wenig schwer ihr zu folgen, gerade auch weil die Erzählweise etwas ungewöhnlich ist. Es gibt unzählige Zeitebenen mit vielen verschiedenen Handlungsorten, die teilweise überstürzt gewechselt werden. Daneben gibt es eine parabelartige Piratengeschichte, die in das eigentliche Geschehen eingewoben ist und pseudodokumentariches Material, dass die Story stützen soll, den Lesefluss aber manchmal auch hemmt.

Am Ende war ich froh es geschafft zu haben. Kein einfacher Stoff, aber bis ins kleinste Detail durchdacht und daher lesenwert. Und mitreden kann man dann auch allemal.

Update: Erste Schnappschüsse und Charakterposter der Zack Snyder Verfilmung sind bei den Filmfreunden aufgetaucht.

~ von Mario - 23. Mai 2008.

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