Spanien im Herzen

Morgen fahre ich also nach Madrid. Private Dienstreise. Auf der Suche nach der perfekten Abschlussarbeit wage ich mich in die Tiefen spanischer Archive. Vermutlich werde ich nicht allzu viel Neues finden. Letzten Endes geht es mehr um mein Gewissen. Aber ich freue mich auf die Stadt, die Museen, das Essen. Bocadillo de calamares, Tortilla, Paella, Chipirones, Flan – all die kleinen Leckerkeiten. Calimoxo wird es in Madrid wohl nicht geben, aber eigentlich gehört es dazu. Obwohl Spanien nie den gleichen Platz in meinem Herzen eingenommen hat wie Schottland, bekomme ich jetzt, so kurz vor der Abfahrt, doch so etwas wie Heimweh.

Auch wenn meine Faulheit mir etwas anderes diktiert, ist es doch großartig, wohin mich die Arbeit bisher entführt hat. Das Bundesarchiv war über Monate mein zweites Zuhause, das Ibero-Amerikanische Institut ist es bis heute. Ich habe im Archiv der BStU Einsichten gewonnen, die ich doch lieber missen möchte, endlich Dresden und sein Staatsarchiv näher kennengelernt und die Bestände des Politischen Archivs des Auswärtigen Amtes untersucht. Und jetzt Spanien: Archivo Histórico Nacional und Archivo Histórico del PCE.

Die netten Reaktionen aus Spanien, die auf meine verschiedenen Anfragen bezüglich möglicher Informationen zu meinem Thema bekommen habe. Sie könnten mir leider nicht helfen, fänden aber das Thema so interessant, dass ich sie doch bitte auf dem Laufenden halten sollte. Oder ob sie sich mal mit mir treffen könnten, wo ich doch nach Madrid komme. Bei Freunden und Bekannten hatte ich bisher eher Unverständnis oder offenes Desinteresse geerntet. Wie erholsam ist da ein wenig Bestätigung aus dem Ausland.

Ich habe etwas über Kunst und Kunstverständnis in der DDR gelernt, über Mythen, über Exil und Exilierte, über Kommunismus und kommunistische Parteien in ihren dunkelsten Zeiten.

Und dann das Gespräch mit Frau A. All die Personen, all die Ereignisse, all die Emotionen, die mich nun schon seit über einem Jahr begleiten, hat sie gekannt, erlebt, durchlitten. Was für ein Leben hat diese Frau hinter sich. Als Kleinkind aus dem Spanien des Bürgerkriegs in die Sowjetunion verschifft, neun Jahre später die Eltern in Frankreich wieder getroffen, von dort in die DDR ausgewiesen und, endlich, nach Francos Tod zurück nach Spanien, um dann, nach der Wende, nach Berlin zurück zu kehren. Wie klein, wie spießig, wie stubenhockerig komme ich mir angesichts eines solchen Erfahrungsschatzes vor.

Ich kann der Arbeit nur dankbar sein. Auch wenn es nervt, auch wenn ich will, dass alles vorbei ist. Sie hat mir so viel Wissen gegeben, so viel Verständnis und Einsichten, letzten Endes so viele neue Erfahrungen. Danke.

~ von Anna - 15. April 2008.

3 Antworten to “Spanien im Herzen”

  1. Toll. Ich fänds ja schön noch mehr über Frau A. und die Spanir in der DDR hier zu lesen.

  2. ihr probiert euch schon ganz schön doll aus, mit dem was man wissensblog nennen könnte. finde ich super. wie wärs zweispaltig?

    viel spaß in madrid. ein wenig neid ist hier schon da.

  3. Was ist eigentlich mit Deinem Samen-Projekt. Auch super Blogthema, oder?

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