Was ist denn nun eigentlich re:publica?

Ich bin ein sehr gruppenaffiner Mensch. Bietet sich mir eine Gruppe an, möchte ich Teil davon sein. Nicht immer, nicht überall, aber wenn ich diese Gruppe ohnehin schon eine Weile beobachtet habe, dann umso mehr. Kommt dazu noch das Gefühl, dass die jeweilige Gruppe avantgardistische Charakterzüge trägt bzw. sich zumindest so geriert, ist es aus: ich bezahle 40€ und besuche die re:publica..

Schon der Name ist großartig. Die Anzahl der Interpretationsmöglichkeiten gleicht der der Matrix-Trilogie

Als erstes fiel auf: Apple wohin das Auge blickt. MacBook, iBook, iPhone. Ich hab’s mit ja irgendwie auch so vorgestellt, aber aufregen konnte ich mich trotzdem wieder ganz gut. Ist es Neid? Oder echte Ablehnung des ganzen Als-Grafiker-Bin-Ich-Auf-Einen-Mac-angewiesen- und Microsoft-Ist-So-Scheiße-Gehabe. Vielleicht eine Mischung. Müsste der wahre Open Source Creative Commons Blogger nicht Linux installiert haben, anstatt sich an irgendwelche Marken zu klammern? Na ja, designtechnisch ist Apple schon unschlagbar. Und von dem auf der Konferenz ausgebrochenen Eee-Hype habe ich mich auch anstecken lassen. Ist schon geil, das Teil.

Die unübersehbare Präsenz unzähliger Laptops auf den Schenkeln der Teilnehmer nötigte uns dann auch, am zweiten Tag ebenfalls einen mitzubringen. Wenn auch nur von IBM.

Nachdem wir Sascha Lobos Follower-Party in Ermangelung eines Twitter Accounts verpasst hatten, wollten wir diesen Missstand beheben und unsere Anmeldung gleich noch zum ersten Podcast in der Geschichte beider Blogs nutzen. Ist dann leider nichts geworden. Unser Gespräch war nicht in Ansätzen interessant oder lustig, außerdem waren die Hintergrundgeräusche viel zu laut. Aber twittern können wir jetzt!

Die re:publica war meine erste ernsthafte Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Fallstricken des Web 2.0. Sicher, die ganze Stasi 2.0 Entwicklung habe ich kritisch verfolgt, war auch auf der ein oder anderen Demo dagegen. Ich habe mich bewusst nicht bei StudiVZ/Facebook/Xing etc. angemeldet, keine Partyfotos ins Netz geladen. Und Netzpolitik habe ich auch immer mehr oder weniger fleißig gelesen. Aber viele technische oder webzweinullige Termini kannte ich nicht: API, xfm, ISP, pingback, client, selbst Twitter und Tweets waren mehr oder weniger Fremdworte für mich. Das hat das Verständnis des ein oder anderen Beitrags beeinträchtigt. Natürlich kann man bei so einem Treffen nicht bei Null anfangen. Es ist von Kennern für Kenner gemacht. Thematische Einführungsworkshops, wie sie Tanja und Johnny in ihrem letzten Podcast kurz andenken, würde ich erstmal ablehnen. Aber wenn die re:publica nicht nur eine selbstreferentielle Blogger-Party sein möchte, dann sollte sie versuchen, für ihr Anliegen Unterstützer hinzu zu gewinnen. Und das sind dann eben die Menschen, die noch keinen Blog haben, Angst vor html verspüren oder weiterhin Inhalt statt content sagen. Und dennoch webaffin sind. Vielleicht könnte man ihnen ein kleines Forum anbieten, wo Interesse entwickelt und Angst genommen werden kann.

Mit meinem Das-ist-meine-Gruppe-Gefühl (ohne überhaupt jemanden persönlich zu kennen) habe ich dann hinterher auch die vielen Berichte in den Medien gelesen und fühlte mich beleidigt, wenn es hieß, die re:publica sei eine „Blogger-Konferenz“. Das klingt abwertend und ausgrenzend. Ist sie nicht viel mehr? So abgedroschen es klingt, aber es treffen sich in erster Linie Menschen, nicht Blogger. Und die verstecken sich eben gerade nicht mehr hinter ihrer Web 2.0 Identität, sondern treten ins Freie um sich kennenzulernen, auszutauschen und neue Ideen zu entwickeln. Creative Commons, Datenschutz, Journalismus, Geld, Musik, Fernsehen, Recht im Internet sind die in meinen Augen viel wichtigeren und interessanteren Themen. Es geht im weitesten Sinne um eine Bestandsaufnahme aktueller digitaler Medienangebote und um die Weiterentwicklung derselben. Und das zusammen mit 1000 Menschen unterschiedlichsten Hintergrunds. Das erscheint mir doch recht einmalig und in jedem Fall unterstützenswert. Ich plädiere also für den nicht ganz so schlagwortartigen Namen: Konferenz für digitale Medien(angebote). Hört sich auch gleich viel seriöser an.

Und eins ist sicher: die re:publica hat Lust und Mut gemacht, tiefer und kreativer ins Web 2.0 einzutauchen und für diese neue Begeisterung danke ich ihr. Ich freue mich auf nächstes Jahr!

~ von Anna - 10. April 2008.

2 Antworten to “Was ist denn nun eigentlich re:publica?”

  1. Dankeschön! Immer wieder spannend und gut, die Eindrücke anderer zu lesen!

  2. Das mit dem Podcast ist noch nicht geklärt. Er ruht, aber er ist noch nicht begraben. Da passiert noch was. Versprochen.

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